AUCH DER LÄNGSTE MARSCH BEGINNT MIT DEM ERSTEN SCHRITT:

90 Jahre Eifelverein Schmidtheim

Eine Übersicht über seine geschichtliche Entwicklung

 

  1. Phase: Der Beginn eines langen Weges (1926-1952)

Vor genau 90 Jahren interessierten sich Bürger von Schmidtheim für eine eigene Ortsgruppe im Eifelverein, welcher am 22. Mai 1888 in Bad Bertrich unter maßgeblicher Federführung des Gymnasialdirektors Dr. Adolf Dronke gegründet worden war.

Man schrieb das Jahr 1926. Die Deutsche Lufthansa AG wurde gegründet, die erste Fernsehübertragung fand in England statt und nach dem Abzug der Besatzungstruppen gab es in Köln, Bonn und anderen Orten Deutschlands „Befreiungsfeiern“, an denen im Rheinland auch Reichspräsident Paul von Hindenburg und der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer teilnahmen. Im gleichen Jahr wurde Max Schmeling Deutscher Boxmeister im Halbschwergewicht, und durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm war es der Reichsregierung gelungen, die Arbeitslosenzahl von 2,4 Millionen im Februar auf 1,24 Millionen im Oktober zu senken.

Zur Gründungsversammlung der Ortsgruppe Schmidtheim am 30. Mai dieses ereignisreichen Jahres meldeten sich zunächst 10 Interessierte als Mitglied an. Es ist also keinesfalls so, als sei die Ortsgruppe im Jahr 1976 neu gegründet worden, wie manchmal fälschlich behauptet wurde. Diese Jahreszahl wird noch weiter unten zu besprechen sein. Die Ortsgruppe hätte im Gegenteil in dem genannten Jahr auf eine 50jährige Tätigkeit zurückblicken können. Als ein Beweis ihrer frühen Existenz sind eine Beitragsrechnung des Hauptvereins vom Dezember 1926 sowie die Begrüßung der neuen Ortsgruppe im Eifelvereinsblatt von Juni 1926 anzuführen. Die Beitragsrechnung der Ortsgruppe weist für das Jahr 20 Mark aus. Wenn der Mitgliedsbeitrag pro Person 2 Mark betrug, dann müssen dem Verein in Schmidtheim anfangs 10 Mitglieder angehört haben, die wir die „Gründerväter“ nennen wollen. Das erste Gruppenfoto im Schnee, folglich frühestens im Winter 1926/27 gemacht, zeigt allerdings 11 honorige Männer, deren Namen alle überliefert sind. Wer nun ist der elfte Mann, der „Spätberufene“, der „Nachzügler“? Wäre er kein Mitglied, so stände er auf dem Foto sicher nicht in der Reihe. Uns ist leider keine Namensliste mit 10 Mitgliedern überliefert, wohl diejenige mit 11 Mitgliedern. Deshalb bleiben wir dabei: Der „Nachzügler“ hat durch seinen Beitritt Engagement bewiesen und soll fortan als 11. Mitglied gelten.

Mit Namen bekannt sind:

  • Fritz Stahl, gräflicher Rentmeister
  • Theodor Krumpen, Bürgermeister
  • Matthias Berens, Bahnhofsvorsteher
  • Anton Miebach, gräflicher Revierförster
  • Jakob Feuser
  • Peter Schröder
  • Peter Schlipphack
  • Johann Struben (nach neuesten Recherchen anstelle von Clemens Kirwel)
  • Jakob Dick
  • Josef Dick
  • Josef Sieberath

Vorsitzender war in jenen Anfangsjahren Fritz Stahl, der Rentmeister der Gräflich Beissel’schen Verwaltung. Das Amt des Schriftführers und des Kassierers - heute Kassenwart/in - übte der damals in Schmidtheim tätige Bürgermeistersekretär und spätere Amtsinspektor Hermann Völler aus Blankenheim aus. Aus der personellen Besetzung des Vorstands kann man schließen, dass die Motivation für den Eifelverein im Wesentlichen sowohl von der Kommune als auch von der gräflichen Verwaltung ausging.

 

Nr. 1 Gründerväter 1926

Die Gründerväter 1926 v.l.n.r.: Johann Struben, Fritz Stahl, Peter Schröder, Theodor Krumpen, Jakob Dick, Jakob Feuser, Matthias Berens,
Anton Miebach, Josef Sieberath, Peter Schlipphack, Josef Dick
(Foto: Bildarchiv Gemeinde Dahlem)

 

Schmidtheim war etwas spät dran. Schließlich gab es in Marmagen und Nettersheim schon vor dem 1. Weltkrieg Ortsgruppen des Eifelvereins. Sicherlich nahm damals auch der Landrat des Kreises Schleiden Einfluss auf die Bildung einer Ortsgruppe. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Geheimrat Dr. Karl Kaufmann, konnte jedenfalls am 30. Mai 1926 bei der Jahreshauptversammlung in Monschau feststellen, dass der Eifelverein sich nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und seinen Folgen, der Armut der Bevölkerung und dem Separatismus seit 1924 in seinem inneren Gefüge gefestigt hatte. In den Reihen der neugegründeten Ortsgruppen nannte der Vorsitzende auch unsere Ortsgruppe Schmidtheim:

„Die Ortsgruppe Jünkerath ist unter dem Vorsitz des Herrn Dr. med. Jansen wiedererstanden. Weiterhin sind neue Ortsgruppen in Schmidtheim, Densborn und Reifferscheid erstanden. Ich begrüße an dieser Stelle die neuen Ortsgruppen herzlichst.“

Die Zusammenkünfte fanden im Gasthaus Dick am Bahnhof statt, dem Vereinslokal. Die Ortsgruppe Schmidtheim hatte allerdings nicht wie heute ein exaktes Jahresprogramm. Manche Aktivitäten waren dem Angebot und dem Zufall überlassen. Was also kam zur Ausführung? Zu nennen sind: Pflege und Förderung des Wanderns, zumal in den ausgedehnten Waldungen im örtlichen Bereich; Fahrten per Bahn oder Auto zu Zielorten mit anschließenden Wanderungen; Museums- und Kulturstättenbesuche; Vorträge und Reiseberichte. Geselligkeit wurde stets großgeschrieben.

Um es zu konkretisieren: Im August 1926 veranstaltete die Ortsgruppe eine Wanderung, und zwar die allererste in ihrer Geschichte, zur fürstlich von Salm-Dyckschen Burg in Reifferscheid. Man besuchte außerdem auf der Burgruine die Freilicht-Theateraufführung „Christopherus“ von Theodor Seidenfaden, einem deutschen Volksspiel in 4 Gesängen. Im Juni 1927 zählte die Ortsgruppe bereits 25 Mitglieder. Der Vereinsbeitrag betrug 3 Mark. Dafür bekamen die Mitglieder dann die Eifelvereinsblätter. Im Sommer wanderte man nach Oberschömbach zur Kirmes und nach Blankenheim. Ab Herbst probten die Lehrerin Maria Buchholz und Lehrer Hoffmann mit den Schulkindern Theaterstücke. Auf der Bühne im Saale Dick wurden in der Weihnachtszeit die Märchen „Aschenbrödel“ und “Frau Holle“ aufgeführt. Ab Januar 1928 wurde das Märchenstück „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ geprobt und im März aufgeführt. Außerdem schaffte man Liederbücher an, um den Gesang zu pflegen. Im Herbst fanden wieder Proben statt, diesmal für ein christliches Weihnachtspiel um die Geburt Jesu. Es wurde im Januar 1929 zweimal mit gutem Erfolg aufgeführt. Dazu vermerkt das Kassenbuch als Auslagen „Leihgebühren für 24 Kostüme“, Textbücher und Holz zur Errichtung der Bühne. Mit 28 Kindern fuhr dann der Vorstand der Ortsgruppe als Anerkennung und Dank mit der Bahn nach Oberbettingen und wanderte von dort nach Hillesheim, wo eine landwirtschaftliche Ausstellung in Form eines Volksfestes das Ziel bildete; es gab zudem Kinderbelustigungen, in jenen an Abwechslung nicht besonders reichen Jahren für die Kinder eine durchaus eine schöne und interessante Sache. Zurück ging es den gleichen Weg.

Im Eifelvereinsblatt des Jahres 1928 ist eine Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe überliefert, eine der wenigen schriftlichen Quellen aus der Frühzeit.

Die Ortsgruppe hielt am 6. Februar 1928 ihre diesjährige Generalversammlung ab, welche von den Mitgliedern sehr zahlreich besucht war. In seinem Jahresbericht konnte der Vorsitzende mitteilen, dass die Zahl der Mitglieder in der letzten Zeit von 20 auf 35 gestiegen sei, ein Zeichen, dass das Interesse für den Verein ständig wächst. Im Berichtsjahre fanden sechs Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung statt, die Beteiligung war sehr gut. Die Versammlung wählte einen Wanderausschuss, welcher für die weiteren Wanderungen ein Programm ausarbeiten wird.

Ein im Januar abgehaltener Lichtbildervortrag über die Ahr war von über 100 Personen besucht und fand allgemein Beifall.

Ein seltenes Fest feierte der Verein am 20. Dezember 1927, galt es doch den 88. Geburtstag des allseits beliebten Mitgliedes Herrn Jakob Feuser festlich zu begehen. Herr Feuser, der trotz seines hohen Alters noch eine außerordentliche körperliche Rüstigkeit und geistige Frische besitzt, beteiligt sich nicht nur regelmäßig an den Versammlungen, sondern hat auch bis jetzt an allen Wanderungen des Vereins teilgenommen. Die Ortsgruppe ist nicht wenig stolz auf ihren Senior, der wohl eines der ältesten Mitglieder des ganzen Eifelvereins sein dürfte. Als Geburtstagsgeschenk wurde(n) ihm seitens der Ortsgruppe vom Vorsitzenden eine kurze Jagdpfeife mit Widmung und ein Wanderstock mit dem Eifelvereinsabzeichen überreicht. Mit Musik-, Gesang- und sonstigen Vorträgen verlief die Feier äußerst angeregt. Herr Feuser ließ es sich nicht nehmen, bis zum Schluss der Sitzung auszuhalten. Am Sonntag, den 18. März 1928, veranstaltet(e) der Verein einen Märchenabend. Ein von Vereinsmitgliedern gebildetes Doppelquartett soll durch Gesangsvorträge an dem Abend mitwirken.

Der Vorsitzende schloss die Versammlung mit der Bitte an die Mitglieder, auch weiterhin für den Verein werbend tätig zu sein, besonders bei der einheimischen Bevölkerung.

Eine Wanderung zur Jagdhütte im Hochgewälds und eine Fahrt nach Gemünd mit Wanderung zur Urfttalsperre und Bootsfahrt zur Sperrmauer fanden 1928 statt. 1929 gibt es 32 Bezieher des Eifelvereinsblattes, 1930 bereits 36.

1930 dann eine weitere Nachricht über Schmidtheim im Mitteilungsblatt des Hauptvereins:

„Das gesunde Eifeldorf Schmidtheim. In den letzten Tagen konnte ein Veteran des Krieges 1866 hier seinen 88. Geburtstag feiern. Die älteste Einwohnerin ist 96, ein Weichensteller a.D. 89 Jahre alt. Die Lebensalter von 75 bis 85 Jahre sind hier recht häufig, ein Beweis, dass die höchstgelegenen Eifelorte bei all ihrer Rauheit und ihren Stürmen die Bewohner gesund erhalten.“

Zur Fastnacht veranstaltete die Ortsgruppe Kappensitzungen. Der Verein „erwirtschaftete“ dabei 29 Mark durch Verkauf von Mützen und Abzeichen. Mehrere Versammlungen, örtliche Wanderungen und eine Fahrt mit der Bahn nach Daun zu den Maaren standen im Mittelpunkt der Aktivitäten. Rudolf Krumpen, der die letztgenannte Bahnfahrt noch als Kind miterlebte, schilderte den Ablauf so: „Und wir als Kinder beobachteten natürlich beim Zugfahren, dass die älteren Herrschaften schon mal einen Flachmann auspackten. Wir mussten zugucken. Aber es wurde dann lustig im Zug.“

Das hohe Alter der Einwohner Schmidtheims ist bereits angesprochen worden. Offensichtlich galt das als ein hervorstechendes Qualitätsmerkmal, so dass es in der Ortsgruppe des Eifelvereins sichtbare Spuren hinterließ, wie nachstehender Beitrag offenbart, bei dem Jakob Feuser erneut im Fokus der Öffentlichkeit stand:

„OG Schmidtheim. Ein seltenes Fest, die Vollendung des 90. Lebensjahres ihres Mitgliedes Herrn Jakob Feuser, Schmidtheim, konnte die Ortsgruppe am Sonntag, den 21.Dezember 1930 feiern. Nachdem vormittags eine Abordnung dem Herrn Feuser unter Überreichung eines Geschenkes die Glückwünsche des Vereins dargebracht hatte, fand abends im Vereinslokale im Beisein des Neunzigjährigen und seiner Anverwandten eine besondere Feier statt, zu welcher Mitglieder und Gäste sehr zahlreich erschienen waren, so dass der Vorsitzende eine stattliche Anzahl Festteilnehmer begrüßen konnte. Herr Geheimrat Kaufmann, der leider an der Teilnahme verhindert war, hatte seine Glückwünsche brieflich zum Ausdruck gebracht. In seiner Festrede feierte der Vorsitzende den neunzigjährigen, der sich einer seltenen körperlichen und geistigen Frische erfreut, als eines der ältesten, treuesten und eifrigsten Mitglieder der Ortsgruppe, der fast keine Versammlung versäumte und bis zuletzt dank seiner Rüstigkeit noch alle Wanderungen mitmachte. Herr F., ein geborener Schmidtheimer und bodenständiger Eifeler, hat ein gutes Stück Eifeler Geschichte und somit auch die Bedeutung des Eifelvereins, seine Gründung und seinen Aufstieg zur jetzigen Höhe kennen und schätzen gelernt. Als Eisenbahnbeamter , er trat 1870 in den Dienst der Rheinischen Eisenbahngesellschaft , hatte er stets die beste Gelegenheit, das Wirken des Eifelvereins in Bezug auf die Steigerung des Fremdenverkehrs und die wirtschaftliche Hebung der Eifel zu beobachten und zu würdigen. Als diese Ortsgruppe gegründet wurde, war es deshalb für ihn ganz selbstverständlich, dass er sofort Mitglied wurde und trotz seines hohen Alters an allen Vereinsangelegenheiten stets regen Anteil nahm. Möge Herr F. noch recht lange in alter Frische einer der unsrigen bleiben und uns Gelegenheit geben, mit ihm dereinst noch den 95. und 100. Geburtstag feiern zu können.

Der Gesangverein der Ortsgruppe unter Leitung des Herrn Lehrers Hoffmann und ein eigens von dem Mitgliede Herrn Raape zusammengestelltes Orchester trugen durch ihre gesanglichen und musikalischen Vorträge wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. Zwischendurch wurden noch Gedichte der Enkelkinder zum Vortrage gebracht. Ansprachen und gemeinschaftliche Lieder wechselten miteinander ab, und als es schließlich Zeit zum Aufbruch war, waren die schönen Stunden für alle Beteiligten viel zu schnell dahingegangen. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, wieder mal einen schönen und genussreichen Abend beim Eifelverein verlebt zu haben.“

Fritz Stahl gab nach 5 Jahren seinen Vorsitz im Eifelverein ab. Sein Nachfolger wurde 1931 Theodor Krumpen, Bürgermeister im Ruhestand. Im Februar veranstaltete man sogleich ein Eifelvereinsfest, bei dem Ausgaben für Musikdarbietungen, wohl in Form von Alleinunterhaltern, und Lustbarkeitssteuern zu Buche schlagen. Bei der Vaterländischen Fahnenfabrik GmbH in Köln bestellt man 30 Schleifen und 200 Fähnchen auswärtige Mitglieder - auch die gab es damals bereits - wie Kelz, Stoll, Raape und Backmann erhielten das Eifelvereinsblatt zugesandt. Der neue Vorsitzende machte mit Schülern der Volksschule eine Wanderung nach Reifferscheid mit dem Ziel, die Burgruine und die Gebäude im Burgbering erkunden zu lassen.

Mit der Bahn fuhr der Verein nach Bitburg. Im Herbst besuchte man Münstereifel. 1932 stand eine Wanderung durch das Eichholz nach Jünkerath auf dem Programm, mit der Bahn ging es zurück.

Das Vereinsmitglied Peter Franck, Volksschullehrer in Schmidtheim, fand in der Flur Escherbenden eine Steinaxt, Zeitstellung um 4500 bis 3500 v.Chr. So alt, scherzte man damals, seien die Schmidtheimer also schon!   Die Registrierung und Begutachtung des vielbeachteten Fundes erfolgte in Bonn. Die Axt kam dann zurück in die Schule und wurde in einem Schrank verwahrt. Leider ging sie im Krieg verloren.

1933 stand im Zeichen einer Wanderung von Nettersheim zur Kakushöhle. Teilnehmer Rudolf Krumpen erinnerte sich: „ Wir Kinder haben natürlich gefragt, wo denn der Riese Kakus sei. Wir haben ihn nicht gesehen.“ Im gleichen Jahr besuchte man die Jahreshauptversammlung in Hillesheim und wanderte Richtung Wolwert, Dänenbach und Giesenbroich bis nach Milzenhäuschen. Das älteste Vereinsmitglied Jakob Feuser erhielt zum Geburtstag erneut eine Flasche Kognak geschenkt.

Nebenbei sei erwähnt, dass es 1933 im Hauptverein des Eifelvereins bereits 138 Ortsgruppen gab!

1934 besuchte man anlässlich der Frühjahrstagung in Manderscheid die Burgen und schaffte einen Wimpel an, der noch heute vorhanden ist und den Frau Hohn 1951 erstmals überarbeitete.

Innerhalb der Gemarkung wanderte man zur Marieneiche im Unterwald; außerdem nahm der Vorstand an der Jahreshauptversammlung in Bad Bertrich teil. Entfernung dieser Art waren   grundsätzlich nicht immer leicht zu bewältigen, wenn es keinen Bahnanschluss gab. Aber es fanden sich jedes Mal Vorstandsmitglieder, die einen PKW organisierten, der Besuch in Bad Bertrich beispielsweise wurde durch das Auto eines Arztes ermöglicht.

Es folgten: 1935 Teilnahme an der Jahreshauptversammlung in Daun, eine Wanderung in und um Kronenburg; 1936 Teilnahme an der Jahreshauptversammlung in Bad Münstereifel.

1937/38 bestand der Eifelverein aus 23 Mitgliedern bei einem gleichzeitigen Mitgliederbeitrag von 3 Mark. Bei der Generalversammlung 1937 sammelte der Verein 1,60 M für das Winterhilfswerk der Nationalsozialisten (WHW), nicht gerade weltbewegend.

Die Hauptveranstaltung „50 Jahre Eifelverein“ in Trier konnte dank der Bahnverbindung problemlos besucht werden. Unter großem propagandistischen Getöse fand 1938 ein von den Nationalsozialisten organisierter Umzug als Erntedankfest statt, bei dem auch der Eifelverein eingespannt wurde, seine teilnehmenden Mitglieder trugen dabei alle einen Wimpel.

1939 gab es 20 Mitglieder, 1940 19, der Beitrag betrug 3 Mark. 1940 verstarb der Vorsitzende Theodor Krumpen und Fritz Stahl übernahm - wohl notgedrungen - wieder den Vorsitz, den er nominell bis 1951 innehatte. Während der Kriegsjahre ruhte die Vereinstätigkeit im Wesentlichen, wenngleich von 1941-44 20 Mitglieder regelmäßig Beitrag bezahlten. Allerdings bezogen diese ab 1943 keine Eifelzeitschrift mehr. 1944 schließt das uns überlieferte Kassenbuch mit Datum vom 8. Juli mit dem Vermerk, dass noch acht Mitglieder zwischen dem 6.7. und 8.7 ihren Betrag bezahlt hätten.

Der 2. Weltkrieg 1939-45 und seine Nachwehen hatten schmerzliche Lücken in alle Vereine gerissen, so auch in der Ortsgruppe des Eifelvereins. In der Nachkriegszeit erschwerten die strengen Auflagen der Besatzungsmächte jegliches Vereinsleben. Vereine waren zunächst verboten. Und kaum jemand wagte daran zu denken, eine Organisation oder einen anderen Zusammenschluss von Interessengruppen zu verwirklichen. Man hatte noch die Nase voll von organisierten Unternehmen, Führerprinzip und Vereinsmeierei. Das einzige, was die Besatzungsmächte in den ersten Nachkriegsjahren zugelassen hatten, war die Feuerwehr, wobei es auch hier schwerfiel, Freiwillige zu rekrutieren. So wundert es nicht, dass in den ersten Nachkriegsjahren nur „inoffizielle“ Treffen von wenigen Mitgliedern im Vereinslokal gab. Erst gegen Ende der 1940er Jahre, als die gröbste Not behoben zu sein schien, blühte ganz allmählich das Vereinsleben in allen Richtungen wieder auf. Am 1.10. 1947 wird von unbekannter Hand der Kassenbestand der Ortsgruppe mit 60,48 Mark plus Fragezeichen angegeben. Es rührte sich also etwas.

So richtig ließ 1948, das Jahr der Währungsreform, die Bevölkerung allmählich wieder aufwachen und 1949 wurde die Bundesrepublik gegründet.

Soweit Interesse vorhanden war, widmete man sich nach und nach wieder dem Vereinsleben. Die Zeit der restriktiven Bestimmungen der Besatzungsmächte war vorbei, die Bevölkerung fühlte sich von Tag zu Tag freier. Das Leben wurde geselliger, bis man schließlich wieder zum alten Vereinsleben zurückzukehren begann. Was geschah in der Ortsgruppe Schmidtheim im Eifelverein?

  1. Phase: Auf neuen Pfaden (1952-1976)

1951 gelang es dem Vorsitzenden Fritz Stahl, den neuen jungen Amtsdirektor Peter Wieland für den Eifelverein zu gewinnen. Der hatte in der Tat Erfolg damit, die verbliebenen 20 Mitglieder aus ihrem unfreiwilligen „Dornröschenschlaf“ aufzuwecken und zu neuen Taten zu motivieren. So kam es am 13. Mai 1952 zur „Wiedergründung“ der Ortsgruppe, die ja im eigentlichen Sinne nichts als eine Wiederbelebung war, obwohl in der Zeitschrift „Eifelvereinsblatt“ die Meldung zu lesen ist:

„Neue Ortsgruppen sind gegründet in Daleiden-Dasburg, Darscheid, Freilingen, Ramscheid, Schmidtheim und Wershofen; ich begrüße sie herzlichst.“ (Dr. Rintelen)

Zuerst wurde ein neuer Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde der seit 1949 in Schmidtheim, Im Wiesental 1, wohnende Dr. Heinz Renn, ein aus Baasem gebürtiger Gymnasiallehrer. Es ist im Wesentlichen auch seiner Initiative zu verdanken, dass es ab 1952 zu einem erneuten Aufschwung des Eifelvereins Schmidtheim kommen konnte. In den Vorstand wurden ebenfalls gewählt: Hauptlehrer Karl Wahl, Rudi Krumpen, Willi Thur und Paul Klinkhammer. 30 Mitglieder sollen damals dem Verein beigetreten sein. Leider ist ein Mitgliederverzeichnis aus diesen Jahren nicht vorhanden. So gibt als einzige Quelle das Mitgliedsheft des Kassierers von 1953 darüber Auskunft, wer im Unterdorf Mitglied war oder wurde. Aus dem Unterdorf allein werden schon die Namen von 30 Mitgliedern mit alten Hausnummern genannt. Leider fehlen entsprechende Aufzeichnungen für das Oberdorf.

Dafür liegt aus dem Jahre 1952 eine Liste des Kassenwarts vor, welche die eingegangenen Fahrtkosten der „Mitglieder“ für die große Luxemburg-Fahrt im September nachweist:

Josef Falkenberg, Emma Grün, Klaus Gottschlich, Clemens Hahn, Maria Hahn, Anton Harings, Johann Heinen, Jakob Hommel, Severin Hütter, Paul Klinkhammer, Kurt Korb, Bernhard Krumpen, Rudolf Krumpen, Wilhelm Leyendecker, Johann Maus, Josef Molitor, Leo Molitor, Gertrud Meuser, Matthias Müller, Karl Recher, Käthe Recher, Dr. Heinz Renn, Hermann Ribbing, Josef Sieberath, Anneliese Stahl, Willi Thur, Willi Thurn, Karl Wahl, Peter Wolf, Peter Wieland, Dr. Karl Schmitz.

Es ist aber anzunehmen, dass die Liste nicht alle Mitglieder erfasst. Interessant ist außerdem, welche Kosten damals für diesen Ausflug anfielen: Gebühren für einen Sammelpass bei der Kreisverwaltung Schleiden, Visagebühren beim Luxemburger Konsulat in Aachen. Mit einem Bus der Firma Max Hörnchen aus Schleiden begab man sich für 360 DM auf den Weg und besichtigte die Burg Vianden, die Kasematten sowie die Kathedrale mit der Krypta in Luxemburg-Stadt. Insgesamt nahmen 53 Personen an dieser Fahrt teil. Dabei dürfte es sich wohl auch um Familienangehörige der Mitglieder gehandelt haben.

In den folgenden Jahren präsentierte sich der Verein weiterhin als recht engagiert, was Aktivitäten und Vereinsleben betrifft. Davon profitierte u. a Nikolaus Eich, der für das Ausschellen von Vorträgen und anderer Vereinsaktivitäten pro Dorfrunde 2 DM erhielt, z.B. für die Bekanntmachung eines Spanienvortrags oder eines Lichtbildervortrags durch Pater D. Hofmann. 1953 feierte man tüchtig Weiberfastnacht, unternahm im Mai eine Wanderfahrt nach Monschau und eine Bahnfahrt nach Trier zur Jahreshauptversammlung mit Stadtführung. Und nicht zu vergessen eine 2-tägige Busfahrt im August nach Belgien. Ferner spendete man 50 Mark für die Errichtung des Kriegerehrenmals am Friedhof. Am 5.12. kam erstmals der Sankt Nikolaus zum Eifelverein in Gestalt des Leo Grün aus Dahlem, der dafür 15 DM erhielt, während der gräfliche Gärtner Kurt Korb aus Schmidtheim als Knecht Ruprecht sich mit 5 DM zufrieden geben musste. Ob bei der Vergütung die Herkunft der Akteure eine entscheidende Rolle spielte (Dahlem bzw. Schmidtheim) oder die Wichtigkeit der Rolle konnte nicht mehr ermittelt werden.

Nach der langen Unterbrechung durch den Krieg und die Nachkriegszeit kam auch wieder die Zeitschrift des Eifelvereins nach Schmidtheim.

1954 gab es einen „Hermann-Löns-Abend“, der 21,25 DM Einnahmen brachte. Die Veranstaltung mag zwar wegen des Sängers Hermann Munck aus Hannover als Gestalter des Abends kurzweilig gewesen sein, aber den Einnahmen standen Auslagen von 40 DM für Verpflegung und Übernachtung des Künstlers im Gasthaus Recher gegenüber. Zur Karnevalszeit veranstaltete die Ortsgruppe eine Kappensitzung, es gab ja noch nicht die KKG wie heute. Die Gewinn- und Verlustrechnung sah wie folgt aus: Erlös aus dem Eintritt 54 DM, Verkauf von Hüten 10,20 DM, machte summa summarum 64,20 DM Einnahmen. Ausgaben: für die Musik 50 DM; Leihgebühr eines Verstärkers 10 DM; für die drei Karnevalisten aus Marmagen an Getränken und Essen 32,50 DM; Beschaffung von Orden, Knopfblumen, Papierschlangen 7,50 DM; Malerarbeiten 12 DM. Die Veranstaltung war demnach rein rechnerisch ein Verlustgeschäft. Eine Konzertveranstaltung des Eifelvereins im Juni 1953 war ebenfalls mit einem geringen Minus abgeschlossen worden. Dennoch ist das mutige Bemühen des Vereins zu ersehen, ein breites Spektrum an Veranstaltungen für die Dorfbevölkerung anzubieten. Dazu zählt auch Durchführung von „Tanzlustbarkeiten“, für die von 20 Uhr bis 3 Uhr morgens die Erlaubnis der Amtsverwaltung beantragt wird. Durchgeführt wurde eine zweitägige Busreise im Mai nach Holland mit Grachtenfahrt in Amsterdam, an der 42 Personen teilnahmen. Im gleichen Jahr hielt Lehrer Wahl noch einen Vortrag über Japan. 1954 besuchte außerdem der Oberkreisdirektor Dr. Felix Gerhardus Schmidtheim und interessierte sich für das Wirken der Ortsgruppe.

Das Eifelvereinsjahr 1955 stand daneben ganz im Zeichen einer 2-tägigen Busreise zunächst ins Saarland und dann von dort an den Rhein, durchgeführt vom 17. bis 18. Juni. Das Bemerkenswerte an dieser Reise war, dass es sich dabei um eine „Auslandsreise“ handelte, denn das Saarland war zu dieser Zeit noch französisch. Das Ziel des ersten Tages war Weiten an der Saar. Hier besuchten die 43 Teilnehmer die 1952 in den Ruhestand getretene ehemalige Schmidtheimer Lehrerin Maria Buchholz. Sie musste ja im Gedächtnis der Schmidtheimer verankert sein, war sie doch von 1915 bis 1952 ununterbrochen an der Schmidtheimer Volksschule tätig. Nach der Pensionierung war sie - immer noch unverheiratet - wieder an ihren Geburtsort zurückgekehrt. Des Weiteren wurde auf dieser Fahrt die Porzellanmanufaktur Villeroy & Boch in Mettlach besichtigt. Die Übernachtung in einem „Hotel“ in Saarbrücken blieb den Teilnehmern noch lange in Erinnerung, weil dieses sich als ein fensterloser Betonhochbunker aus dem 2. Weltkrieg entpuppte und laut Beleg 25.590 ffr. kostete. Am nächsten Tag ging es weiter nach Bingen, wo man auf ein Ausflugsschiff umstieg und rheinabwärts bis Koblenz fuhr.

Die Bedeutung solcher Mehrtagesfahrten für die Menschen in jenen 1950er Jahren - rund 10 Jahre nach der Katastrophe des 2. Weltkrieges - kann im Übrigen heute nicht hoch genug eingeschätzt werden.

1955 hielt Dechant Vlatten einen Vortrag über „Obstbau und Obstbaumpflege“. Der Eifelmaler Curtius Schulten aus Blankenheim trug dem Eifelverein einen Reisebericht über Norwegen und Schweden vor, wieder wurde eine Karnevalssitzung abgehalten und 50 Mark für ein Kinderheim in Kronenburg gespendet. Im gleichen Jahr konnte auch das Eifelvereinshaus in Kronenburg endlich als Jugend- und Wanderheim seinen Betrieb als Gästehaus aufnehmen. Möglicherweise war die Spende für dieses Haus gedacht.

In diesem Jahr aber gab es einen tiefen Einschnitt, als der Dr. Renn, Vorsitzender seit 1952, aus beruflichen Gründen Schmidtheim verließ und nach Jülich zog. So fehlte dem Eifelverein Schmidtheim ein wichtiges Zugpferd, das im Grunde jeder Verein nötig hat. Man wählte einen neuen Vorstand und Clemens Hahn, Kaufmann in Schmidtheim, wurde zum Vorsitzenden wurde gewählt. Hahn aber konnte aber angesichts seines hohen Alters - fast 70 jährig - keine neuen Impulse setzen, zumal die Bereitschaft zur Übernahme wichtiger Vereinsämter sich in Grenzen hielt, wie die nachfolgenden Jahre beweisen sollten. Unerklärlicherweise schlich sich eine gewisse Vereinsmüdigkeit ein, wenngleich zunächst noch einige Unternehmungen durchgeführt wurden: Eine Wanderung nach Kronenburg, eine Busfahrt nach Mayen zur Genovevaburg mit Besichtigung des Eifelvereinsmuseums und anschließendem Besuch des Rheinfestes in Koblenz. Der Verein zählte immerhin 46 Mitglieder, das Beitragsaufkommen betrug 6 Mark pro Person.

Robert Hilger aus Gemünd hielt 1957 einen Vortrag mit Schmalfilm und Lichtbildern über eine persönlich durchgeführte Nordlandreise. Außerdem berichtete Landwirtschaftsrat Zimmers aus Blankenheim über seine Amerikareise. Eine Sternwanderung in Dahlem und die Teilnahme an der Herbsttagung des Hauptvereins in Prüm beschlossen das Jahr. 1958 wurde im kleinen Saal des Gasthauses Recher-Kesternich ein Lichtbildervortrag des Redakteurs H. Meyer, Gemünd, dargeboten mit dem Titel „Zwischen Rhein und Maas - Landschaft und Menschen in Eifel und Ardennen“. Er zeigte 7x7-Dias, die bis auf ein Format 2,50m x 2,50m projiziert werden konnten. „Sie sehen also nahezu ein regelrechtes Kino-Schirmbild“, hieß es in der Werbung für diesen Vortrag. Das interessierte Publikum kam und wusste ihn zu schätzen, denn Fernsehen war noch unbekannt. Mit Pkw ging es 1957 nach Hillesheim, wo die Schmidtheimer Wanderer einen ortskundigen Stadtführer engagiert hatten.

1959 fuhr man zum Deutschen Wandertag nach Bernkastel-Kues und zu weiteren Veranstaltungen nach Rheinbach und Ulmen. Es wurde aber immer weniger gewandert, auch andere Unternehmungen blieben nach und nach weitgehend aus, wenngleich der Verein 1957-62 nominell noch aus 46 Mitgliedern bestand.

1962 erreichte den Verein - als solcher bestand er ja weiterhin trotz mangelnder Aktivitäten - eine erste Mahnung des Hauptvereins, dass seit 4.9.1959 keine Jahresbeiträge mehr abgeführt worden seien. Es wurde weiter kritisiert, dass Mahnungen und andere Schreiben immer unbeantwortet geblieben seien. Ferner setzte man dem Verein bald die Pistole auf die Brust, entweder für 1962 zu zahlen und einen Zahlungsvorschlag für den Zeitraum von 1960/61 zu machen, oder aber die Lieferung der Eifelvereinszeitschrift würde eingestellt und Schmidtheim als Ortsgruppe des Eifelvereins gestrichen.

Was nun folgte, ist sicher einmalig, hat aber der Ortsgruppe als Verein sozusagen „das Leben gerettet“. Die Zeitschriftenbezieher, so ist anzunehmen, zahlten zwar weiterhin - die Zahl schwankt zwischen 17 (1963) und 14 (1974) - ihren Obolus, fehlende Beiträge wurden aber immer wieder dem Sparbuch entnommen. Eine zusätzliche Spende der Kölnischen Rundschau über 150 DM wurde deshalb 1963 dankbar vermerkt. 1969 meldete die Ortsgruppe, besser gesagt der amtierende Vorsitzende dem Hauptverein noch 18 Vollmitglieder, trotzdem gab es immer wieder Beitragsmahnungen. Es schien keinen Kassierer gegeben zu haben.

Am 5.Februar 1974, wenige Monate vor seinem Tod, schrieb Clemens Hahn im Jahresbericht für 1973 an den Hauptverein, dass der Verein praktisch nur noch aus dem Vorsitzenden bestünde. Alle anderen Vereinsfunktionen seien nicht besetzt. Als Vollmitglieder nennt er 14, die auch gleichzeitig die Zeitschrift „Die Eifel“ bezögen. Schriftlich ergänzte Hahn: „Zur Zeit beschränkt sich die Mitgliedschaft nur [nur 3x unterstrichen] auf den Bezug der Zeitschrift „Die Eifel“.

Wegen des Todes des Vorsitzenden Hahn übernahm Rektor Karl Wahl bis 1976 kommissarisch die Amtsgeschäfte. Er überwies weiter die fälligen Mitgliedsbeiträge nach Düren vom Sparbuch. Im Oktober verfasste Wahl dann einen Rundbrief „An die Bezieher der Zeitschrift ‚Die Eifel‘.“ Darin kündigte er eine Beitragserhöhung durch den Hauptverein an und bat die Adressaten, ihm mitzuteilen, wer aufgrund dessen auf eine Mitgliedschaft in Zukunft zu verzichten gedenke bzw. wer ein Wiederaufleben der Ortsgruppe wünsche und zur Übernahme eines Amtes einschließlich des 1. Vorsitzenden bereit sei. Eine Reaktion seitens der Angesprochenen ist nicht überliefert. Aber: durch seine „aktive“ selbstständige Kassenführung hielt er den Kontakt mit dem Hauptverein aufrecht und sicherte damit der Ortsgruppe das Überleben im Hauptverein. Wahl blieb Mitglied bis Ende 1978, als er aus Altersgründen nach Wittlich verzog.

So kam es, dass der Verein zwar untätig geblieben war, sich aber nie auflöste. Er bestand weiter „auf dem Papier“, er entrichtete die Beiträge mehr schlecht als recht an den Hauptverein und die verbliebenen Mitglieder bezogen weiterhin die Zeitschrift „Die Eifel“. Das war gleichsam die Bekundung der „Daseinsberechtigung“. So lebten 1976 noch folgende Mitglieder, die nachweislich seit 1964 die Zeitschrift „Die Eifel“ bezogen hatten:

  • Beissel von Gymnich, Gräfl. Verwaltung
  • Falkenberg, Josef
  • Hanrath, Leo
  • Ingenhaag, Johann
  • Klein, Heinrich
  • Klinkhammer, Karl
  • Klinkhammer, Wilhelm
  • Krumpen, Gertrud
  • Krumpen, Rudolf
  • Meuser, Gertrud
  • Recher, Karl
  • Schmitz, Dr. Karl
  • Theißen, Leo
  • Wahl, Karl (Lehrer)
  • Wieland, Peter

Bleibt der Vollständigkeit noch festzuhalten, dass am 14.1.1977 der neu gewählte Kassenwart der wiederbelebten Ortsgruppe trotz allem ein Sparbuch mit einem dreistelligen DM-Guthaben in Empfang nehmen konnte.

 

  1. Phase: Gemeinsam wieder Wege erkunden und finden (1977-1993)

Nach der Gemeindeneugliederung die Mitglieder der Eifelvereine aller Gemeindeorte zusammenzubringen, kam nicht zum Zuge. Im November 1976 ergriff daher der damalige Gemeindedirektor Werner Krämer die Initiative, um dem Verein neues Leben einzuhauchen. Er veröffentlichte einen Aufruf im Mitteilungsblatt der Gemeinde Dahlem:  

Schmidtheimer - bitte, machen Sie mit!                                                                                   Die Gemeinde Dahlem hat im Zusammenhang mit der Herausgabe der neuen Wanderkarte auch im Bereich der Gemarkung Schmidtheim verschiedene Rundwanderwege ausgewiesen.

Es genügt aber nicht, dass Wanderwege lediglich in einer Karte eingezeichnet und erläutert werden; diese müssen vielmehr auch in der Örtlichkeit markiert werden, um dem Wanderfreund zusätzliche Orientierungshilfen zu geben.

Die Markierung und Betreuung der Wanderwege obliegt regelmäßig dem Eifelverein. Da die Tätigkeit der früher auch in Schmidtheim aktiv gewesenen Ortsgruppe des Eifelvereins seit einigen Jahren ruht, übernimmt die Gemeinde die Initiative für die Markierung und Betreuung der Wanderwege innerhalb der Gemarkung Schmidtheim . Leider können für diese Arbeiten keine hauptamtlich tätigen Bediensteten abgestellt werden, so dass hiermit an alle Wanderfreunde die herzliche Bitte ergeht, sich an der Markierung der Wanderwege zu beteiligen. Es wird deshalb der Vorschlag gemacht, mit den Markierungsarbeiten am Samstag, dem.4. Dezember 1976 nachmittags, Dauer ca. 3 Stunden, zu beginnen. Interessierte Wanderfreunde werden deshalb sehr herzlich zu einem kurzen Vorgespräch am Mittwoch, dem 1. Dezember 1976, Treffpunkt 18.00 Uhr, in der Gaststätte Krumpen am Bahnhof (Nebenraum) eingeladen.                            

 

Das Material für die Durchführung der Wegemarkierung wird von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Einzelheiten über die durchzuführenden Arbeiten, die Reihenfolge der Markierung und andere Fragen (z.B. Kritik an der Wanderkarte, Verbesserungsvorschläge, Instandsetzung von Wanderwegen durch die Gemeinde, Ausstattung der Wanderwege mit Ruhebänken) werden in dem genannten Gesprächstermin ausführlich erörtert.

Vielleicht bietet der Gesprächstermin auch Gelegenheit für die Wiederbelebung der früher recht aktiv gewesenen Schmidtheimer Ortsgruppe des Eifelvereins.

gez. Werner Krämer, Gemeindedirektor

So kam es am 1.12.1976 im Gasthaus Krumpen am Bahnhof zu einem ersten Sondierungsgespräch von Eifel- und Wanderfreunden sowie früheren Eifelvereinsmitgliedern. Daran nahmen teil: Anton Harings, Heinrich Klein, Karl Klinkhammer, Friedel Krumpen, Rudolf Krumpen, Alois Poth und Heinrich Winzen sowie aus Baasem Toni Krumpen und Erich Ponge. Man kam überein, am 29.12.1976 zur Wiederbelebung der Ortsgruppe Schmidtheim im Vereinslokal Gaststätte Krumpen einzuladen.

Dieser Einladung folgten viele Interessierte, u.a. Ferdinand Müller aus Dahlem, Vorsitzender des dortigen Eifelvereins, Christmann als Vertreter des Tourismusbüros Obere Kyll, Bürgermeister Josef Schramm, Gemeindedirektor Werner Krämer und der Geschäftsführer des Hauptvereins Knopp. Da diese Versammlung gut vorbereitet war, war der Wiederbelebung bereits ein erster Erfolg beschieden, insofern als bereits an diesem Abend ein vorläufiger Vorstand gewählt und in einer kurz darauf folgenden Vollversammlung bestätigt werden konnte. Eine Schlüsselrolle beim Gelingen des Projekts Neubelebung der Ortsgruppe kam dabei dem Gemeindedirektor zu. Er erläuterte ausführlich die Bedeutung einer Ortsgruppe innerhalb des Eifelvereins. Diese Gedanken waren auch Gegenstand eines Zeitungsberichts. Weil die Ausführungen Sinn und Zweck einer Ortsgruppe innerhalb des Eifelvereins sehr detailliert schildern, lohnt es sich, ihn an dieser Stelle noch einmal nachzulesen, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Eifelverein, insbesondere aber die Ortsgruppen, in unserer Zeit erneut vor schwierigen Zeiten zu stehen scheinen.

Krämer: Der Eifelverein erfüllt viele Aufgaben

„Ist der Eifelverein überlebt und hat er heutzutage noch ernstzunehmende Aufgaben?“ Zu diesem Thema referierte der Dahlemer Gemeindedirektor Werner Krämer auf einer Versammlung der neuen Eifelvereinsortsgruppe Schmidtheim. Krämer war der Meinung, dass man solchen Fragen nicht ausweichen solle. Dies gelte nicht nur für den Eifelverein, sondern für jeden Verein, und besonders die mit ideeller Aufgabenstellung sähen sich irgendwann im Laufe der Vereinsgeschichte in Frage gestellt.

Erfreulicherweise habe die Neugründung der Eifelvereinsortsgruppe Schmidtheim Zustimmung gefunden. Allerdings sei auch die Frage nach dem „Warum?“ der Neugründung in vielfältiger Form gestellt worden. „Ich wandere auch ohne den Eifelverein“, sage der eine. „Wer wandere denn heute noch?“, frage der Autofahrer.

Ein gängiges Argument sei auch die Äußerung: „Wenn der Staat es nicht schafft, die Umwelt zu schützen, was will denn da der Eifelverein tun, um die Verschandelung der Landschaft zu unterbinden? „ Wenn man alle diese Einwände zusammenfassen würde, könne man in der Tat zu der Frage kommen, ob der Eifelverein noch eine Daseinsberechtigung und eine ernstzunehmende Aufgabenstellung habe.

Krämer bejahte diese Frage und wies auf die Aktivitäten des Eifelvereins hin. Diese bewiesen die zahlreichen Ortsgruppen zwischen Trier und Düsseldorf, zwischen Aachen, Köln, und neuerdings sogar in Berlin. Die Entwicklung dieser vielen Ortsgruppen – es sind rund 200 mit 35000 Mitgliedern – sei keineswegs rückläufig. Wenn es weit außerhalb der Eifel Ortsgruppen des Eifelvereins gebe, dürfe man im Ort nicht abseits stehen, weil es auch noch örtliche Aufgaben für den Eifelverein zu lösen gebe.

Eine der wichtigsten Aufgaben sei die strukturelle Förderung des Eifelraumes, wie dies auch in der Satzung verankert sei. Als weitere wichtige Aufgabe müsse der Umweltschutz genannt werden, der eng mit dem Fremdenverkehr verknüpft sei. Auch die kulturelle Tätigkeit des Eifelvereins dürfe nicht unterschätzt werden.

Zu den Aufgaben des Eifelvereins zähle schließlich auch die Durchführung zeitgemäßer und erholsamer Freizeitgestaltung. Hier erwähnte Gemeindedirektor Krämer Wanderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, geschichtliche Führungen sowie Veranstaltungen geselliger Art.

Krämer zählte schließlich die Aufgaben auf, die der Eifelverein in Schmidtheim wahrnehmen wolle. Hier gehe es zunächst einmal um die Bildung einer starken Ortsgruppe, um den Hauptverein in seiner Gesamtheit zu unterstützen. Weiter nannte Krämer die Betreuung und Markierung der neu ausgewiesenen Wanderwege. Damit sei viel Arbeit verbunden.

Wichtig sei auch die Tatsache, dass der Vorsitzende der Eifelvereinsortsgruppe im Vorstand des Vereins „Erholungsgebiet Oberes Kylltal“ vertreten sei. Aus den Reihen der Eifelvereinsmitglieder könnten viele Ideen, Vorschläge und Anregungen an den Verkehrsverein herangetragen werden, der dafür stets offene Ohren habe.

Als ureigenste Aufgabe nannte Krämer die Organisation und Durchführung von Wanderungen. Viele Neu- und Zweitbürger würden interessante Sehenswürdigkeiten im Gemeindegebiet nicht kennen. Die Ortsgruppe könne sich auch benachbarten Eifelfreunden anschließen und diese nach Schmidtheim einladen. Wichtigste Aufgabe sei zunächst ein interessantes Arbeitsprogramm zu entwickeln, um Interesse bei den jungen Mitbürgern zu wecken.

Euphorisch titelte Tage später der Kölner Stadtanzeiger:

Eifelverein: Der Schlaf soll nun vorüber sein

Rudi Krumpen wurde zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt

 

Darin heißt es weiter:

Dahlem - Schmidheim (sü)In Schmidtheim besteht seit Mittwochabend wieder eine aktive Eifelvereins-Ortsgruppe. In der Gaststätte Krumpen beschlossen etwa 30 Eifelfreunde, den seit Jahren ruhenden Ortsverein wieder neu zu beleben. In der nun 50jährigen Geschichte der Schmidheimer "Ortsgruppe ist dies der dritte Versuch, wieder auf die Beine zu kommen. Eine Schwerstgeburt war die Wahl eines vorläufigen Vorstandes: Keiner wollte sich für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung stellen. Schließlich ließ sich Rudi Krumpen „breitschlagen“, die Ortsgruppe für ein Jahr zu leiten.

Einer der Antriebsmotoren zur Wiederbelebung der Ortsgruppe Schmidtheim war Gemeindedirektor Krämer, der am Mittwochabend ein Referat über die Aufgaben des Eifelvereins hielt. Neben dem Geschäftsführer des Vereins „Erholungsgebiet oberes Kylltal“, Klaus Christmann, sowie Bürgermeister Schramm war auch der Geschäftsführer des Hauptvereins nach Schmidtheim gekommen.

Geschäftsführer Knopp war erfreut, dass sich in Schmidtheim wieder Eifelfreunde zur aktiven Arbeit eingefunden hätten. Die jetzige Initiative sei Erfolg versprechend. Auch wenn die Schmidheimer Ortsgruppe in den letzten Jahren nur auf dem Papier existiert habe, könnte 1977 das 50jährige Bestehen gefeiert werden. Gerade dieses Fest könnte in Schmidtheim einen großen Aufschwung mit sich bringen.

Die Versammlung beschloss, zunächst einen vorläufigen Vorstand zu wählen, der auf der ersten offiziellen Mitgliederversammlung bestätigt werden soll. Die Versammlung schlug schließlich Rudi Krumpen vor, der seit vielen Jahren Mitglied im Eifelverein ist.

Das gleiche Problem trat auch bei der Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden auf. Ämterhäufung oder Zeitmangel wurden als Gründe angegeben. Schließlich stellte sich Lotte Aberler zur Verfügung. Als Beisitzer wurden Theo Lenz, Josef Müller und Heinrich Klein in den Vorstand gewählt. Willi Hohn wurde Schatzmeister, Alois Poth Geschäftsführer und Anton Harings Wanderwart.

 

Nach seiner Wahl bedauerte Rudi Krumpen, dass es keine Alternative zu seiner Person gegeben habe. Es seien gewiss Leute im Ort, die für dieses Amt geeignet, jedoch nicht zur Versammlung erschienen seien. Krumpen dankte besonders Gemeindedirektor Krämer für die wohlwollende Unterstützung. Einstimmig legte die Versammlung einen Mitgliederbeitrag von 24 DM fest.

Und die Kölnische Rundschau schrieb zum gleichen Anlass:

Eifelverein Schmidtheim neu belebt

 

Der Vereinsraum der Gaststätte Krumpen platzte aus allen Nähten. Soviele Interessenten fanden sich ein, um die Ortsgruppe des Eifelvereins in Schmidtheim wieder neu zu beleben. Bis vor ein paar Jahren waren auch die Schmidtheimer noch aktive Mitglieder des Eifelvereines gewesen, doch dann war der Verein mangels Interesse und Engagement der Mitglieder langsam eingeschlafen.

Gemeindedirektor Werner Krämer hatte sich auf Anregung einiger Bürger der Sache „Eifelverein“ angenommen und hatte alle Freunde und Gönner , natürlich auch die 21 noch auf dem Papier bestehenden Mitglieder eingeladen, um die Ortsgruppe Schmidtheim wieder mit neuen Schwunge zu versehen. In seiner Begrüßungsrede stellte Werner Krämer zuerst die Frage: „Ist der Eifelverein heute überlebt?“ Er war der Meinung, dass die Ortsgruppe auf jeden Fall neue Aktivitäten entwickeln müsse, denn zum einen müsse etwas für Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Gemeinde Dahlem getan werden, und zum anderen sollte der Eifelverein die Leute hinter ihrem Ofen hervorholen. Gerade hier auf dem Lande müssten die Kontakte unter den Menschen gestärkt werden und zu diesem Zweck wäre ein Eifelverein, in dem man gemeinsam wandern könnte, von außerordentlicher Wichtigkeit. Die Bürger würden durch die aktive Mitarbeit im Verein zur Initiative erzogen. Gerade den Neuansiedlern in der Gemeinde sollte der Eifelverein die Kontaktaufnahme erleichtern, meinte Gemeindedirektor Krämer am Ende seines Vortrags.

 

Vom Hauptverein Düren war Wilhelm Knopp als Geschäftsführer nach Schmidtheim gekommen, um den Schmidtheimer Bürgern die augenblicklichen Aktivitäten des

gesamten Eifelvereins vor Augen zu stellen. Der Eifelverein umfasst derzeit fast 200 Ortsgruppen und ca. 35000 Mitglieder. Viele Ortsgruppen haben sich in den großen rheinischen Städten wie Köln, Bonn und Düsseldorf zusammengefunden. Ja, sogar in Berlin gibt es einen Eifelverein, wie Wilhelm Knopp nicht ganz ohne Stolz bemerkte. Deshalb wäre es schade, wenn gerade mitten in der Eifel eine aktive Ortsgruppe fehlte.

 

Als wichtigste Aufgaben des Eifelvereins nannte Knopp den Schutz der Umwelt, die Verbesserung des Fremdenverkehrs und der Struktur des Eifellandes. Außerdem obliegt es den Ortsgruppen, Freizeitveranstaltungen zu organisieren und Wanderungen durchzuführen, an denen vor allem auch die Sommergäste teilnehmen sollen. Willi Knopp übertrieb es ein wenig mit der Beweihräucherung seines Vereines, aber sicherlich musste er die Werbetrommel so kräftig rühren, um die Schmidtheimer wieder für den Eifelverein zu begeistern.

Nun, die Schmidtheimer waren sich einig, dass die Neubelebung in Angriff genommen werden sollte, denn schließlich hat der Eifelverein auch in Schmidtheim Tradition: Die Ortsgruppe Schmidtheim besteht immerhin schon 50 Jahre und man hätte im Jahr 1976 das 50. Stiftungsfest feiern können, aber leider gab es zu dieser Zelt noch keinen aktiven Verein, der das Fest hätte organisieren können.

Als Versammlungsleiter wählte man einen neutralen Mann, Ferdinand Müller aus Dahlem, der als Vorsitzender der Ortsgruppe Dahlem Geburtshilfe leistete. Als es an die Wahl des Vorstandes ging, bedurfte es der ganzen Überredungskunst Ferdinand Müllers, bis die vorgeschlagenen Leute gewillt waren, das angebotene Amt zu übernehmen. Gemeindedirektor Werner Krämer und Bürgermeister Johann Schramm bedauerten sehr, dass ihre geringe Freizeit ihnen wenig Raum lasse, um den Posten eines Vorsitzenden vernünftig auszufüllen. Auch andere Leute entschuldigten sich mit einer Überbeschäftigung.

Alle Anwesenden einigten sich zum guten Ende auf Rudi Krumpen als neuen Vorsitzenden, der sich zwar anfangs auch noch sträubte, da alle ihn jedoch als einzigen in Frage kommenden Präses nannten, übernahm er für die Anfangszeit den Vorsitz der Ortsgruppe Schmidtheim. Stellvertretende Vorsitzende wurde Lotte Aberler. Als Beisitzer wählte man Theo Lenz, Heinrich Klein und Josef Müller. Das Amt des Schatzmeisters bekam Willi Hohn, Geschäftsführer wurde Alois Poth. Zum Wege- und Wanderwart machte   man Toni Harings.

Bleibt nur zu hoffen, dass die neu begonnenen Aktivitäten nicht wieder im Sande verlaufen, sondern zu einem gesunden Verein führen. Denn schließlich wird die Ortsgruppe Schmidtheim schon zum dritten Mal wiederbelebte. Als Beitrag muss man als Vollmitglied des Eifelvereins Schmidtheim im kommenden Jahr 25 DM entrichten. Weitere Familienmitglieder müssen nur 9 DM im Jahr an Beitrag bezahlen.

Was blieb, war zunächst die Ausarbeitung einer neuen Vereinssatzung. In einem weiteren Schritt kümmerte sich Gemeindedirektor Krämer dann um ein umfangreiches Jahresprogramm, und damit stieg der Verein auch gleich in die Arbeit ein. Ganz konkret wurde dies sichtbar, als das erste Jahresprogramm bei einer Vorstandssitzung am 14.1.1977 vorgestellt und, abgesehen von kleineren Abänderungen, angenommen wurde. Die positive Einstellung des Grafen Beissel wurde in der Sitzung besonders hervorgehoben, denn sie war wichtig für die geplanten Wegemarkierungsaktionen.

Drei Wanderungen wurden vorläufig festgelegt. Monatlich sollten Mitgliederversammlungen und 3-monatlich Vorstandssitzungen stattfinden.

Die hier festgelegten Veranstaltungen waren in der Folge dann auch durchweg gut besucht, so dass die Vereinsaktivität im ersten Jahr der Wiederbelebung alle Beteiligten zufrieden stellte. Es war zwischenzeitlich sogar noch eine weitere Ganztageswanderung ins Programm aufgenommen worden, die ins Tal der Simmel führte.

Es wurden außerdem u.a. drei Wanderwege markiert, in der Wanderkarte aufgenommen und vom Verein beschildert. Anton Harings als Wanderwart galt hier als die treibende Kraft. Außerdem konnte die Gemeindeverwaltung im Laufe des Sommers sechs Ruhebänke zur Verfügung stellen, die an geeigneter Stelle von der Ortsgruppe aufgestellt wurden.

Auch der Kölner Stadtanzeiger war des Lobes voll und titelte in seiner Ausgabe vom 27.4.1977: „Anerkennung für die junge Ortsgruppe“

In seinem Jahresbericht am 9.12.1977 konnte der damalige Vorsitzende Rudolf Krumpen weitere Tätigkeiten verzeichnen:

  • Errichtung einer Brücke über den Dänenbach vor dem Recherhof. Diese wurde „Rosenmontagsbrücke“ getauft, weil Mitglieder der Ortsgruppe sie am selbigen Tag errichteten.
  • Errichtung eines weiteren Wanderstegs am Wisselbach kurz vor Blankenheim-Wald auf dem Wanderweg Nr. 2
  • Müllsammelaktion vor dem Pfingstfest unter der Devise „Saubere Landschaft“, wobei eine „große Fuhre Unrat“ allein am Wanderweg Nr. 3 vorgefunden wurde
  • Renovierung des Bärbel-Kreuzes im Hochgewälds an der Landstraße nach Neuhaus durch Vereinsmitglied Willi Fritze (Freistellung der Fläche und Neuanstrich)

Ferner hielt Dr. Karl-Heinz Ribbert vom Geologischen Landesamt Krefeld einen Dia-Vortrag über die Kronenburger Kalkmulde. Unter der Leitung von Dr. Wolfgang Schumacher fand im Juli eine botanische Wanderung durch das Simmeltal statt. Von einer regen Teilnahme von Mitgliedern der eigenen Ortsgruppe sprach der Vorsitzende auch im Zusammenhang mit dem 70jährigen Jubiläumsfest der Ortsgruppe Marmagen, wo jede Ortsgruppe mit einem sogenannten „Knappsack“ versorgt worden war, enthaltend ein Eifelbrot und Blutwurst. Im Rahmen einer Sternwanderung unter Führung von Heinrich Klein und Alois Poth war man vom Feuerwehrhaus Schmidtheim nach Marmagen gewandert.

Der 700-Jahr-Feier des Ortes Kronenburg machte die Schmidtheimer Ortsgruppe ebenfalls ihre Aufwartung. Die erste Ganztagesfahrt führte nach Schloss Bürresheim, Kloster Maria Laach und zurück durch das Ahrtal.

An der inneren Vereinsstruktur musste natürlich auch gearbeitet werden. So besuchte 1977 der Vorsitzende den ersten Wanderführerlehrgang in Kronenburg.

Um den Zusammenhalt und die gemeinsamen Aktivitäten stärker ins Gedächtnis zu rufen, aber auch um Ideen und Anregungen eine Plattform zu bieten, hatte der Vorstand in ersten Jahr der Neubelebung den sogenannten „Freitagstreff“ ins Leben gerufen. Jeden ersten Freitag im Monat trafen sich nun interessierte Mitglieder im Lokal Krumpen. Allerdings war der Besuch „hin und wieder nicht allzu zahlreich“, wie der Vorsitzende einmal einräumen musste. Er blieb aber über 30 Jahre lang eine feste Instanz im Leben der Ortsgruppe und er sollte bis 2008 beibehalten werden. Ab 2009 wurde der Freitagstreff umgewandelt in ein vierteljährlich stattfindendes Mitgliedertreffen am 1. Freitag des Monats.

Dank des gelungenen Neustarts konnte der Verein am Ende des Jahres 1977 bereits wieder stolze 56 Mitglieder verzeichnen. Erwähnenswert auch das besondere Engagement der Eheleute Norbert und Lotte Aberler auf dem Gebiet der Jugendförderung, hatten sie doch 1977 eine eigene Jugendgruppe innerhalb der Ortsgruppe ins Leben gerufen, die „Wanderjugend“.

Es stellte sich dann noch die Frage nach der Dauer der Mitgliedschaft im Verein, insbesondere weil die Vereinsarbeit ja jahrelang geruht hatte. Geschäftsführer Alois Poths Recherchen hierzu und seine Schlussfolgerung brachten folgendes Ergebnis:

„Nach diesen Darlegungen, die aktenkundig nachweisbar sind, muss man zu der Folgerung kommen, dass bei denjenigen Mitgliedern, die bereits im Jahre 1952 ff. und auch heute noch im Mitgliederverzeichnis eingetragen sind, eine durchgehende Mitgliedschaft anzuerkennen ist. Wenn die Vereinstätigkeit auch mitunter zeitweilig unterbrochen war, so kann dieses nicht als Verschulden dem einzelnen Mitglied angelastet werden. Was gefehlt hat, war ein funktionsfähiger Vorstand. Die Ortsgruppe Schmidtheim ist beim Hauptverein durchgehend geführt worden. Eine Ortsgruppe als solche alleine kann nicht existieren. Hier müssen in erster Linie Mitglieder vorhanden sein, die die Ortsgruppe bilden. Eine mangelhafte Geschäftsführung kann letzten Endes auch nicht auf dem Rücken der Mitglieder ausgetragen werden.

Ich unterbreite daher hiermit dem Vorstand den Vorschlag, in diesem meinen Sinne zu handeln und diese Regelung zu akzeptieren. Somit würde der Vorstand allen Belangen der Mitglieder Rechnung tragen,

Es wird und kann auch keiner verlangen, ihm mehr Mitgliedsjahre anzurechnen„ als hier nachweisbar sind. Es sei denn, er müsse dies durch entsprechende Unterlagen belegen.“

Mit der Auszeichnung der „Silbernen Ehrennadel“ für die Mitglieder Karl Klinkhammer, Heinrich Klein und Josef Falkenberg auf der Jahreshauptversammlung im Dezember 1977 konnte die Ortsgruppe Schmidtheim auf ein erstes erfolgreiches Jahr nach seinem Neustart zurückblicken.

Die Neubelebung der Ortsgruppe unter ihrem 1. Vorsitzenden Rudolf Krumpen war das Startsignal für umfangreiche Aktivitäten in den Folgejahren. Es gab ab sofort regelmäßige Mitgliedertreffen, den sog. Freitagstreff am ersten Freitag eines jeden Monats, es gab regelmäßige Vorstandstreffen und Aktionen und Unternehmungen vielfältiger Art, von denen hier kurz zu berichten ist.

An allererster Stelle ist zu nennen, dass es nun regelmäßig zu Jahresbeginn erscheinende Veranstaltungskalender gab, zunächst weniger umfangreich, bis sie dann das heute bekannte Niveau erreichten: Halbtags- und Ganztagstageswanderungen, Sonderveranstaltungen, Mitgliederzusammenkünfte u.v.m. informierten sämtliche Mitglieder rechtzeitig und brachten „Ordnung“ in das Eifelvereinsjahr.

Im Mitteilungsblatt der Gemeinde stand zu lesen:

Was hat die Ortsgruppe des Eifelvereins Schmidtheim im Jahre 1977 vor!

In der ersten Vorstandssitzung des Eifelvereins Schmidtheim am 14. Jan. 1977 im Gasthof Krumpen hat sich der Vorstand als erster Punkt der Tagesordnung mit der neuen Satzung befasst. Im Laufe dieser Sitzung konnte eine im Entwurf vorliegende Satzung überarbeitet werden. Diese Satzung soll in der nächsten Mitgliederversammlung den Mitgliedern zur Annahme vorgelegt werden.

Ebenfalls wurde das Jahresprogramm 1977 festgelegt. Dieses Programm ist nachstehend abgedruckt. Es wird allen Mitgliedern zugestellt. Zusätzlich soll jede Veranstaltung an der Anschlagtafel sowie im Mitteilungsblatt der Gemeinde und in der Tagespresse in Erinnerung gebracht werden.

 

Außer den Veranstaltungen des Programms ist beabsichtigt, an der Frühjahrs- und Herbsttagung des Haupteifelvereins teilzunehmen. Diese finden wie folgt statt:

  1. Frühjahrstagung in Sinzig, vom 19.3. - 20.3.1977
  2. Herbsttagung in Gemünd, vom 8.10.- 9.10.1977

Es wird erhofft, dass die Veranstaltungen recht zahlreich besucht werden. Diese Veranstaltungen dürften dazu angetan sein, weitere und andere Veranstaltungen ins Auge zu fassen und ggfls. in die Tat umzusetzen. Für jede Anregung ist der Vorstand dankbar.

Die bis heute durchgeführten „Umwelttage“ hatten ihren Anfang bereits ab 1979 unter der Bezeichnung „Säuberungs-“ und später „Müllsammelaktionen“, zunächst nur auf die Beseitigung von Müll entlang der Wanderwege des Eifelvereins beschränkt, dann aber wurden sie nach und nach ausgedehnt, bis die Gemeinde 2001 an die Eifelvereine Schmidtheim, Dahlem und Kronenburg herantrat und diese bat, offiziell im Rahmen der Aktion „Saubere Landschaft“ den „Gemeinde-Umwelttag“ auszurichten. Er ist seitdem im Veranstaltungskalender der Ortsgruppen fest verankert.

Der Wunsch nach Geselligkeit und Unterhaltung fand seinen Niederschlag in zahlreichen jahreszeitlich bedingten zusätzlichen Aktionen. So wurden Nikolaus- und Silvesterfeiern eingeführt, die in jenen Jahren durchaus ihre Würdigung fanden, wie die Teilnehmerzahlen beweisen. Sie richteten sich vornehmlich an ältere und Alleinstehende und hatten ihren festen im Jahresprogramm. Am 1. Sonntag im neuen Jahr gab es die Neujahrswanderung. Im Laufe der Jahre führte der Trend angesichts veränderter gesellschaftlicher Verhältnisse allerdings weg von solchen Veranstaltungen und hin zu familiär geprägten Festformen. Daher gab es kleine Änderungen. Seit 1993 wird bis heute die Glühweinwanderung am Silvestertag durchgeführt, die allerdings am frühen Abend offiziell endet. Und der Nikolaus? Der kommt heute auch nur noch in wenige Privathäuser - andere Zeiten, andere Sitten.

Um die Mitgliederversammlungen aktiver zu gestalten, wurden zu Beginn der 1980er Jahre 20 Liederbücher beschafft, auch um den Gesang, besonders das deutsche Volkslied, verstärkt zu pflegen. Um nicht aus der Übung zu kommen, wurden 2005 noch einmal 40 neue Wanderliederhefte für die Jahresfahrten angeschafft.

In den ersten Jahren gab es auch „gemütliche“ Karnevalsabende mit Alleinunterhalter und/oder karnevalistischen Vorträgen einzelner Mitglieder.

Die Herrichtung, Markierung und Pflege von Wanderwegen als ureigenes Ziel eines Eifelvereins wurde ebenfalls tatkräftig angegangen. Es gab zunächst drei offizielle Wanderwege. Man wundert sich heute allerdings darüber, dass bereits 1978 der Wegewart in einer Vorstandssitzung über „mutwillige Demolierungen“ der Wegemarkierungen Beschwerde führte.

Weiterhin gab es gelegentliche Dia-Vorträge. Der vorgefundene alte Vereinswimpel war dringend instandsetzungsbedürftig. Wegen der hohen Kosten, die eine Instandsetzung des alten Stoffes durch eine Fachfirma mit sich gebracht hätte, übernahm Gertrud Muhr, ein Mitglied der ersten Stunde, diese Arbeit in vorbildlicher Weise; und so hat der Wimpel bis heute die Jahre überdauert und wird an seinen Ehrenplatz von Margot und Peter Tümmeler gehütet.

So verwundert es nicht, dass z.B. 1982 der Jahresbericht 33 Veranstaltungen meldete. Es ging mit dem Verein zielstrebig weiter aufwärts.

In einem für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlichen Kraftakt stemmte die „junge“ Ortsgruppe 1983 gar die Herausgabe des Heftes „Schmidtheim“ in der Reihe des Hauptvereins „Die schöne Eifel“. Es war die erste Veröffentlichung über den Ort Schmidtheim mit Beiträgen zur Geschichte, Geologie, Flora und Sehenswürdigkeiten.

Stellvertretend für die Vereinsaktivität mag das Jahr 1984 hier angeführt werden. Es fanden statt: 9 Halbtagswanderungen mit bis zu 18 Teilnehmern, 10 als Ganztagsangebot an Wanderungen und Fahrten mit bis zu 39 Teilnehmern. Ziele waren u.a. Luxemburg, Trier, Hagen in Westf., Ahrtal, Manderscheid. Daneben organisierte die Ortsgruppe die erste Komm-mit-Wanderung durch das Eichholz nach Nonnenbach, es kamen ca. 200 Wanderer zusammen. Eine Sonderzugfahrt nach Bad Ems wurde durchgeführt, die Anmeldungen dazu erfolgten über die Geschäfte Hanrath, Jankowski, die Metzgerei Hütter und den Bahnhof. Der Fußsteg über den Dänenbach am Recherhof war wieder brüchig geworden, er wurde erneuert.

1985 beteiligte sich die Ortsgruppe an der Errichtung einer Grillhütte.

Man beschloss, die 60-Jahrfeier 1986 nur innerhalb der Ortsgruppe im kleinen Rahmen zusammen mit einem Grillabend zu begehen. Auch die Wanderjugend hatte 1987 Grund zum Feiern, sie konnte auf 10 Jahre erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken, erst unter der Leitung von Lotte und Norbert Arbeler, dann Margot und Peter Tümmeler.

1992 erhielt der ehemalige 1. Vorsitzende Dr. Heinz Renn im Rathaus von St. Vith das Dr. Anton-Hecking-Schild des Geschichts- und Museumsvereins ZVS für besondere Bemühungen bei der Erforschung des Rhein-Maas-Mosel-Raumes im Allgemeinen und des Landes zwischen Venn und Schneifel im Besonderen. Renn hatte bereits u.a. das Bundesverdienstkreuz, den Rheinlandtaler und die Silberne Ehrennadel des Eifelvereins erhalten. Noch während der Feierstunde am 11.4.92 verschied der Geehrte.

  1. Phase: Unterwegs ins neue Jahrtausend (1993-2016)

Rudolf Krumpen konnte also auf 16 erfolgreiche Vereinsjahre zurückblicken, als er altersbedingt das Amt des Vorsitzenden 1993 endgültig niederlegte. Der Verein hatte nach dem Neustart seinen Platz im dörflichen Vereinsgefüge behauptet und dank ständig steigender Mitgliedszahlen gefestigt. Im Amt folgte ihm Hildegard Krumpen, die bei der Neuwahl des Vereinsvorsitzenden 1993 in der Mitgliederversammlung das uneingeschränkte Vertrauen erhielt und einstimmig zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Sie ist seitdem Amtsinhaberin. Obwohl sie es anfangs nicht leicht hatte, den Verein nach Rudolf Krumpens Ära weiterhin positiv auf Kurs zu halten, gelang ihr nicht nur die Beibehaltung bzw. der Ausbau einer Vielzahl von Aktivitäten, sondern unter ihrer Leitung und mit Hilfe vieler williger Vorstands- und Vereinsmitglieder konnte sogar das Mitgliedervolumen noch einmal gesteigert werden. Aber der Reihe nach.

Die zu einer festen Einrichtung avancierten mehrtägigen Jahresfahrten für Vereinsmitglieder und Gäste konnten bis zum heutigen Tag beibehalten werden, die Nachfrage blieb ungebrochen. In immer weiter nach demokratischen Aspekten ausgeklügelten Abstimmungsmodi über mögliche Fahrtziele erreichte man ein hohes Maß an Mitgliedermobilisierung. Im Durchschnitt begab sich pro Jahr rund ein Drittel der Vereinsmitglieder auf diese mehrtägige Kultur- und Wanderfahrt. Matthias und sein Sohn Berthold Wassong sowie nach ihnen Klaus-Theo Kirchmann waren und sind Garant für exzellente Reiseplanung. Die abgedruckte Tabelle mit den Fahrtzielen weist aus, dass fast ganz Deutschland inzwischen von der Schmidtheimer Eifelvereinsortsgruppe bereist worden ist, so dass ganz im Sinne eines zusammenwachsenden Europa inzwischen auch das benachbarte Ausland in den Fokus der Reiseplanungen geraten ist.

1994 wurde mit viel Arbeitsaufwand zum ersten Mal die Brücke über kleinen Zulaufbach zum Wisselbach nahe Blankenheim (Wald) erneuert. Diese war 1979 im Zuge des Hauptwanderweges 12   errichtet worden.

Das Bachbett war kaum noch zu erkennen gewesen, über dem alten Steg lagen viele Äste, so dass der Wanderweg unpassierbar geworden war.

Eine amüsante Notiz noch am Rande. Nach langer und ausgiebiger Diskussion wurde im gleichen Jahr eine Neuerung eingeführt und bis 1996 beibehalten: am traditionellen Grillabend im August gab es erstmals kein Grillfleisch, sondern Rollbraten. Zwei Jahre später kehrte man aber wieder zurück zur alten Tradition.

Ein weitaus wichtigeres Thema interessierte und bewegte Teile des Vorstands und der Mitglieder des Eifelvereins in den 1980er Jahren, besonders aber 1993/94, nämlich die Center-Parc-Debatte. Aber nicht nur diese. Die Gemeindeverwaltung Dahlem war nämlich bemüht in dem Bestreben, Wirtschaftsförderung und Arbeitsplatzbeschaffung in der Gemeinde zu intensivieren. Sicherlich eine an sich zustimmungswürdige Zielsetzung. Der Großinvestor, den man seitens der Verwaltung und Politik ins Auge gefasst hatte, war die Betreibergesellschaft des Center Parc GmbH. Sie klopfte bei der Gemeindeverwaltung an und lockte mit der Schaffung von ca. 600 Arbeitsplätzen. Der Plan: Zwischen Dahlemer Binz und Jagdhaus im Dahlemer Wald hatte die Firma ursprünglich 230 ha, dann ca. 150 ha für ihr Urlaubs-Projekt ins Auge gefasst. Das sah vor: Errichtung von Rezeptionsgebäude, Zentrumsgebäude mit riesiger Glaskuppel (Sport-, Freizeit- und Erholungseinrichtung), Bau von ca. 600 Bungalows, Zentralparkplatz mit ca. 2000 Stellplätzen, Schaffung von ca. 10-20 ha offener Wasserflächen, befestigte Erschließungs- und Spazierwege.

Es gelang mit vereinten Kräften – einzelnen Eifelvereinsmitgliedern, Umwelt- und Naturschutzverbänden, Privatinitiativen – Rat und Verwaltung davon zu überzeugen, dass die angestrebte Maßnahme doch wohl für Dahlemer Verhältnisse eine Nummer zu groß sei. Inzwischen jedoch hatte der interessierte Investor bereits einen neuen, für ihn offensichtlich günstigeren Standort gefunden, so dass damit „die Kuh endgültig vom Eis“ war, bevor es zu einer weiteren „Aufrüstung“ von Befürwortern und Gegnern des Projekts kommen konnte. Zu lebendig waren im Zusammenhang mit dem Großprojekt Center Parc noch die einige Jahre zurückliegenden „angedachten“ Überlegungen seitens der Automobilfirma Mercedes-Benz, im Dahlemer Wald von der Binz bis zum Bärbelkreuz vor Neuhaus eine Teststrecke anzulegen. Der Autokonzern wollte im strukturschwachen Dahlem für umgerechnet 150 Millionen Euro eine Testrecke im Wald asphaltieren – rund fünf Kilometer lang, zwei Kilometer breit. Hunderte von Hektar sollten dem „Betonmonster“ geopfert werden Eine Anfrage lag bereits vor. Relativ früh stieg die Firma jedoch aus den Planungen aus und versuchte, diese Teststrecke bei Boxberg nahe Rotenburg o.T. in Franken anzulegen. Aber auch da scheiterte der Konzern am Widerstand der Anlieger.

Dem dörflichen Geschehen blieb der Eifelverein weiterhin eng verbunden. Bei Fackelzügen der Dorfbevölkerung anlässlich von Goldhochzeiten war die Teilnahme der Ortsgruppe eine Selbstverständlichkeit. Auch als der Brauch aufkam, einen Weihnachtsbaum in der Dorfmitte aufzustellen, war man zur Stelle und organisierte 1999 den ersten Glühweinausschank. 10 Jahre lang bereitete man Dutzende von Litern Glühwein nach eigenem Rezept zu und trug so zum Gelingen des vorweihnachtlichen Events in der Dorfmitte bei.

Im gleichen Jahr fanden zwar noch Nikolausfeiern ohne Nikolaus statt, aber man „speckte“ bereits ab: es wurde nicht mehr „gewichtelt“.

Da der Hauptverein inzwischen eine neue Satzung erarbeitet hatte, fühlte sich auch die Ortsgruppe Schmidtheim bemüßigt, ihre Satzung entsprechend anzugleichen und zu überarbeiten, so dass 2001 die überarbeitete Satzung in Kraft treten konnte. Mittlerweile gehörten dem Verein 109 Mitglieder an, davon waren 56 weiblich und 53 männlich.

Der Gemeindebauhof hatte etwa zur gleichen Zeit rund 30 Ruhebänke in Eigenregie hergestellt und die Verwaltung suchte nun Partner, um Standorte für das Aufstellen der Bänke zu finden. Gemeinsam mit dem Eifelverein wurden diese auch gefunden, gleichzeitig sicherte die Ortsgruppe die Übernahme der Pflege zu.

Neben Wandertagen und Jahresfahrten gehörten immer wieder Museums- und Ausstellungsbesuche gemäß dem Bildungsauftrag des Vereins zum Jahresprogramm. So besuchte man die Tutanchamun-Ausstellung in Bonn, gestaltete einen Clara-Viebig-Abend mit Lesung oder informierte sich anlässlich eines Besuchs in Köln über die Arbeit des WDR, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ganz im Sinne ihrer Verpflichtung zur Kulturpflege kümmerte sich der Eifelverein 2001 um das sogenannte Missionskreuz in der Wolwert. Es war im Rahmen einer Volksmission 1950 vom damaligen Pfarrer angeschafft worden. 1964 wurde es an seinem jetzigen Standort in der Wolwert errichtet zum Gedenken an die in einem Erdhügel umgebetteten Gebeine, die man beim Kirchenneubau auf dem alten Kirchhof gefunden und hierher verbracht hatte. Nun war das Holz des Kreuzes in die Jahre gekommen und morsch geworden. In vielen Arbeitsstunden und nach exakter Vorlage des alten Kreuzes wurde aus dem von einem Vereinsmitglied gestifteten Eichenholz ein neues Kreuz gezimmert. 2002 konnte das neue Kreuz dann im Rahmen einer kleinen Einsegnungsfeier wieder an alter Stelle aufgerichtet werden.

In einem Festakt feierte die Ortsgruppe am 7. Oktober 2001 zum ersten Mal ihre Gründung im Jahre 1926, also ihr 75jähriges Jubiläum unter der Schirmherrschaft des Dahlemer Bürgermeisters Reinhold Müller. Eingebettet in einem umfangreichen Festprogramm erinnerte der anlässlich des Jubiläumsfestes zum Ehrenvorsitzenden ernannte Rudolf Krumpen in seinem Vortrag an die schönen und erlebnisreichen, aber auch an die manchmal schwierigen Jahre, die der Verein mitgemacht hat; schwierige Jahre u.a. deshalb, weil die Ortsgruppe zweimal neu belebt werden musste, es aber erfreulicherweise nie zu einer gänzlichen Auflösung gekommen war. Mit von der Partie waren der Musikverein und der Kirchenchor Schmidtheim, die Tanzgruppe „Eefeler Kirmesdänzer“ aus dem Altkreis Prüm, eine orientalische Tanzgruppe und die junge Musikband „The Swinging Blacks“ . Der Vorsitzende des Hauptvereins Dr. Hans Klein sowie der Vorsitzende der Bezirksgruppe Euskirchen Dr. Karl-Heinz Decker ließen es sich nicht nehmen, der Ortsgruppe persönlich zu gratulieren.

Dann musste das Augenmerk wieder auf den Fernwanderweg „Rhein-Rureifel“ bzw. Hauptwanderweg 12 des Eifelvereins gelegt werden, der gleichzeitig von Blankenheim (Wald) bis zum Parkplatz Silberberg ein Teilstück des lokalen Wanderwegs Sm 2 bildet. In seinem Verlauf musste, wie bereits dargelegt wurde, nahe der Wisselbach ein Graben überquert werden. Diese Wisselbachbrücke, wie sie der Einfachheit halber genannt wurde, befand sich jedoch 2002 mal wieder in einem dermaßen schlechten Zustand, dass gehandelt werden musste, weil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet war. Diesmal baute die Ortsgruppe, die bis heute für diesen Abschnitt des Eifelwanderwegenetzes verantwortlich ist, eine komplett neue Brücke, die im Jahr darauf in Betrieb genommen werden konnte. Neu war, dass es nun eine getrennte Überquerungshilfe für Reiter gab, so dass der Fußgängerteil nicht mehr benutzt werden musste.

Neben den allseits bekannten Tages- und Halbtagswanderungen erreichte den Schmidtheimer Eifelverein im Juli 2004 eine Anfrage des Eifelvereinsbezirks Euskirchen, den Bezirkswandertag auszurichten. Die Ortsgruppe sagte zu, und es wurde ein voller Erfolg. Die Presse titelte „Massenwanderung zur Urftquelle“ und meinte damit, dass diese Veranstaltung mit rund 400 Wanderfreunden sehr gut besucht worden ist. Die genannte Zahl der Wanderer teilte sich in mehrere Gruppen auf, die verschieden lange Wanderstrecken zu bewältigen hatten. Ein buntes Rahmenprogramm begleitete sie. Dabei zeigte die Ortgruppe, dass sie derartigen organisatorischen Anforderungen durchaus gewachsen war, besonders im Bereich Verpflegung. Da man für Hunderte von hungrigen Wanderern eine Erbsensuppe im Angebot hatte, erinnerte sich der Verein an den riesigen Holzlöffel, der seinerzeit unter dem Vorsitzenden Rudi Krumpen eigens zu diesem Zweck von Schreinermeister Siegbert Bonzelet angefertigt worden war. Nun konnte in allen Suppenkesseln kräftig gerührt werden.

Hatte der Verein am 1.1.2002 noch 112 Mitglieder, so waren es im Dezember 2004 bereits 117. Damit hatte der Verein ein historisches Hoch erreicht. 2004 richtete die Ortsgruppe den Bezirkswandertag mit großem Erfolg aus.

Dafür ging das Interesse der Kinder und Jugendlichen an den Aktivitäten der Deutschen Wanderjugend im Schmidtheimer Eifelverein immer weiter zurück, bis sie sich 2007 ganz auflöste und die verbliebenen 11 Mitglieder abgemeldet wurden.

Erwähnenswert für die Jahre 2006 und 2011 ist die großzügige finanzielle Unterstützung von zwei Buchprojekten, bei denen die Aufarbeitung der Vergangenheit des Ortes Schmidtheim und andere Themen im Blickpunkt steht. Außerdem ist die Ortsgruppe Mitglied im Partnerschaftsverein Dahlem-Sarzeau/Frankreich und kann so ihrem Auftrag zur Pflege internationaler Beziehungen ein klein wenig gerecht werden.

Auch war es für den Schmidtheimer Eifelverein eine Selbstverständlichkeit sich zu beteiligen, als 2007 vom Vereinskartell ein Dorfaktionstag ins Leben gerufen wurde, bei dem der interessierten Öffentlichkeit von Nah und Fern Handel, Gewerbe und Dorfvereine vorgestellt werden sollten. Als dieser am 7. September stattfand, war auch die Ortsgruppe mit einem Informationsstand vertreten. Zusätzlich konnte er auf seine Erfahrungen als ein Wanderverein zurückgreifen und den Ort Schmidtheim bei mehreren Dorfführungen den Besuchern in vielerlei Hinsicht näherbringen.

In den Jahren 2007, beginnend mit theoretischen Überlegungen und Planungen bis zur Einsegnung 2013, stand ein bis dato der Allgemeinheit ein nicht sehr bekanntes archäologisches Denkmal auf der Agenda des Eifelvereins: die Zehnbachmotte. Auf sie war man aufmerksam geworden, als es darum ging, zwischen Blankenheim (Wald) und Schmidtheim (Recherhof) einen Themenwanderweg einzurichten, den sogenannten „Eifeler Quellenpfad“, der insbesondere die Urft und ihre Talaue dem Wanderer erschließen sollte. Die Einbindung der Motte, einer mittelalterlichen Turmhügelburg, in den Eifeler Quellenpfad lag daher auf der Hand. Sie muss im Zusammenhang mit der Ausbeutung lokaler Erzvorkommen gesehen werden. Nach wissenschaftlichen Grabungen und der Instandsetzung der Gesamtanlage für interessierte Besucher sowie dem Bau einer Fußgängerbrücke konnte die Anlage 2012 der Öffentlichkeit übergeben werden. Unter Vermittlung des Dahlemer Bürgermeisters Müller schlossen der Eigentümer des Geländes, Graf Beissel von Gymnich, Vertreter der NRW-Stiftung und der Vorstand des Eifelvereins Schmidtheim einen Vertrag, in dem sich u.a. die Ortsgruppe in Form einer Patenschaft zur Ausführung von kleineren Pflegemaßnahmen für die Dauer von 25 Jahren verpflichtet. Der Ortsgruppe wurde daraufhin vom Hauptverein als Würdigung ihrer Arbeit 2013 der Wolf-von-Reis-Kulturpreis des Hauptvereins zuerkannt. Dank der uneigennützigen Arbeit vieler Eifelvereinsmitglieder konnte damit ein wertvolles Kulturdenkmal unserer Heimat vor dem Vergessen bewahrt werden.

Den neuen Informationstechnologien hatte der Eifelverein Schmidtheim nach langen Jahren des Zuwartens inzwischen mit der Einrichtung einer Homepage Tribut gezollt. Er ist seitdem wenn auch nur ein kleiner Teil des weltweiten Netzes.

Wo geht die Reise hin? – Eine Prognose

Nun ist die Ortsgruppe Schmidtheim im Eifelverein im Jahre 2016 genau 90 Jahre alt geworden. Wird man in einigen Jahren den hundertsten Geburtstag feiern können? Wie wird sich die demographische Entwicklung auf die Vereinsstruktur auswirken? Werden die „Alten“ die anstehenden Aufgaben noch bewältigen wollen und auch können?

Zu den Kernzielen der Vereinsarbeit des Eifelvereins Ortsgruppe Schmidtheim werden weiterhin die folgenden Aufgaben eine hohe Priorität besitzen, wo immer es geht:

  • Wandern als eine zeitgemäße und gesundheitsfördernde Freizeitbeschäftigung
  • Jugend- und Seniorenarbeit
  • Erhalt und Pflege von Wanderwegen
  • Natur- und Landschaftsschutz
  • Kulturpflege und Denkmalschutz
  • Förderung internationaler Beziehungen
  • Unterstützung und Herausgabe von Publikationen

Schauen wir einmal nur auf die Wanderstatistik 2015, so dürfen wir eigentlich optimistisch in die Zukunft blicken:

Es wurden 51 Tageswanderungen angeboten, 385 Teilnehmer erwanderten dabei 825 km; dazu kamen 18 Halbtageswanderungen, 260 Teilnehmer erwanderten 159 km. Die Bilanz: 69 Wandertage, 645 Teilnehmer, 984 km Gesamtwanderstrecke.

Die Erfüllung aller Aufgaben ist allerdings gekoppelt an die Erhaltung sowie, wenn möglich, den Ausbau eines breiten Mitgliederstammes, darüber hinaus aber auch und insbesondere an die Bereitschaft der Mitglieder, Verantwortung zu übernehmen, sei es nun in der Vorstandsarbeit oder in der praktischen Mithilfe bei der Verwirklichung der oben genannten Aufgaben. Wenn es stimmt, dass jetzt auch ältere Menschen auf dem Lande über mehr Freizeit verfügen, wenn die Lebensalter steigen, wenn die Unternehmenslust im Ruhestand mit wachsender Mobilität einhergeht, dann könnte das nächste Ziel, die Erreichung der 100-Jahr-Marke, erreicht werden.

Darüber hinaus aber muss jüngerer Nachwuchs her. Das scheint die größte und zugleich schwerste Herausforderung in der Zukunft zu sein.

Bodo Bölkow

Schmidtheim, im August 2018

(Nach dem Originalbeitrag in der Festschrift zum 90. Geburtstag der OG des Eifelvereins Schmidtheim, erschienen 2016)